Part 4 of 4 – „Die Stille der Unschuld – Der Künstler Gottfried Helnwein“ dokumentation

Documentary film „The Silence of the Innocence – the artist Gottfried Helnwein“, by Claudia Schmid. German with English subtitles.

Hyperrealistische Darstellungen verletzter, missbrauchter Kinder. Appelle gegen das kollektive Verdrängen. Ein Spiel mit Gegensätzen: Unschuld und Schrecken, Ohnmacht und Gewalt, Schönheit und Leid. Mit seiner »Schockästhetik« provoziert der österreichische Maler und Fotokünstler Gottfried Helnwein seit über 30 Jahren. Das Portrait eines Unbequemen. Filmemacherin Claudia Schmid hat Gottfried Helnwein zwei Jahre lang begleitet und ihn in verschiedenen Schaffensprozessen in seinem Schloss in Irland und in seinem Atelier in Los Angeles beobachtet. Dabei gibt der Film einen sensiblen Einblick in die Intensität des künstlerischen Prozesses und in Helnweins persönliches Umfeld. In der Verbindung von filmischer Beobachtung und Gesprächen über Kunst, Politik und Gesellschaft entstand ein dichtes Portrait über einen kompromisslosen künstlerischen Provokateur.

„Bei meiner ersten Ausstellung im Künstlerhaus in Wien, es war eine Gruppenausstellung von vier, fünf Studenten der Akademie, habe ich meine Aquarelle verwundeter und bandagierter Kinder ausgestellt und habe dann dazu ein Hitlerbild, in Öl dazugehängt. Um die Bilder in die Ausstellung zu transportieren, habe ich ein Taxi gerufen, und als das große Hitlerbild in den Kofferraum geschoben wurde mit Hilfe des Taxifahrers, sagte der Taxifahrer zu mir: „Das ist ja ein Führerbild! Wo haben Sie das her?“ Und dann habe ich gesagt: „Ich habe das gemalt.“ „Das haben Sie gemalt? Moment.“ Dann läuft er nach vorn. „Warten Sie!“, geht ans Handschuhfach und kommt strahlend zu mir und sagt: „Schauen Sie mal her“ und öffnet die Hand und hat drinnen einen kleinen silbernen Totenkopf liegen und er zwinkert mir zu und sagt: „Das waren wir.“ Ich wusste nicht mal was das war. Ich kam erst später drauf, dass das das Zeichen der SS war, und er hat dann während der Taxifahrt in unglaublicher Euphorie über diese Zeiten geschwärmt. Er hat gejubelt, geschrien: „Wir sind damals aufgestanden wie ein Mann. Herrliche Zeiten waren das.“ Und: „Und noch heute, wenn ich die Kameraden treffe.. usw.“, in diesem Jargon eines Wieners, der Hochdeutsch reden will. Er hat die ganze Fahrt geschwärmt. Es war für mich ein bisschen mulmig, weil ich daneben sass und aussah wie ein Hippie mit meinen langen Haaren und der roter Samthose. Ich dachte immer, wenn der jetzt aufwacht und mich ansieht, dann muss er merken, dass ich bin der Feind bin, aber er hat überhaupt nichts bemerkt. Seine Euphorie hat ihn einfach fortgetragen.

„In der Ausstellung ist erstaunlich viel passiert. Zum ersten sind alle meine Bilder nach kurzer Zeit mit kleinen Stickern überklebt worden, auf denen stand: „Entartete Kunst.“ Ich wurde mit meiner Nase direkt in dieses Thema hineingestoßen. Die Leute haben über meine bandagierten Kinder gerätselt. Ist das ein Geisteskranker, der das malt? Ist das ein Wahnsinniger? Und wenn ich mich zu erkennen gegeben habe, als der, der das verbrochen hat, waren die Leute meistens noch mehr verwirrt. Sie haben gesagt: „Sie scheinen ja ganz normal zu sein, wieso machen Sie denn so was?“ Und dann immer die hoffnungsgeschwängerte Frage: „Haben Sie eine schreckliche Kindheit gehabt? Wurden Sie missbraucht?“ Diesen Bildern ausgeliefert zu sein ohne Erklärung, schien das Unerträgliche für die Leute zu sein.“
Gottfried Helnwein – Die Stille der Unschuld

Andere Anleitung finden?
  • Rating:
  • Views:442 views

Comments

Write a comment

*